Die Geister, die ich rief

Einst zog ich aus, Autorin zu werden, und jetzt behaupte ich ganz einfach einmal, ich bin eine geworden. Wann? Keine Ahnung. Ich will hier auch gar nicht darüber philosophieren, ab wann man Autor oder Autorin ist. Das ist ähnlich wie bei den Joggern und Läufern. Wann wird ein Jogger zum Läufer? Und wird er irgendwann vom Läufer wieder zum Jogger, oder gilt: Einmal Läufer, immer Läufer?

Jedenfalls habe ich einen Kriminalroman veröffentlicht, der zweite steht in den Startlöchern, das Exposé des dritten ist gerade beim Feintuning und ich bin gegen Honorar in zwei Krimianthologien vertreten (das Geld hab ich bekommen, nicht bezahlt, nur um Missverständnisse auszuschließen). Ich denke also, ich darf mich Autorin nennen, auch wenn es nie mein Ziel war, das Schreiben zu meinem Hauptberuf zu machen. Es sollte immer ein Hobby bleiben oder maximal ein Nebenberuf werden.

Zugegeben, als ich meinen persönlichen Sechser im Autorenlotto gewonnen hatte – erst die Aufnahme in eine Literaturagentur und dann wenige Wochen später den Vertrag bei Ullstein – dachte ich, ich wäre dem Nebenberuf einen großen Schritt näher gekommen. Dass ich keine Millionen und auch keine Hunderttausende machen würde, war mir immer klar. Aber trotzdem, der Traum von einem netten Zubrot ploppte immer wieder auf wie eine Plastikente, die man in der Badewanne unter Wasser drückt, und ich wandelte auch eine ganze Zeit wie auf Wolkenzuckerwatte. Bis dann die ersten Zweifel aufkamen.

Was, wenn sich das Buch nicht gut genug verkauft? Nachdem mein Buch als Spitzentitel des Monats in der Vorschau für den Buchhandel angekündigt worden war, machte ich mir noch nicht allzu große Sorgen und ging davon aus, dass der Verlag bei dieser Ankündigung zum Erscheinungstermin ein wenig (gern auch ein wenig mehr) Werbung machen würde.

Tja, und da war sie dann, die Ernüchterung. Werbung? Leider nein. Vom Verlag organisierte Premierenlesung? Ebenfalls nein. So unsanft aus meinem naiven Wolkenkuckucksheim auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, begannen sie zu nagen, die Zweifel. Wie sollte mein Buch in der schier überwältigenden Flut von neuen und Bestandstiteln herausstechen? Wie sollten die Leserinnen und Leser darauf aufmerksam werden?

Wäre da nicht die Buchhändlerin meines Vertrauens gewesen, die den Mut hatte, für mich eine Lesung in einer tollen Location in München zu organisieren – ich hätte noch mehr an mir und meinem Buch gezweifelt. Dennoch: das war natürlich bei Weitem nicht ausreichend, um meinen Krimi in die Bestsellerlisten zu katapultieren (ja, natürlich hab ich auch davon geträumt). Also musste Eigenwerbung her. Und wie geht das? Natürlich über soziale Medien. Der Facebook-Autorenaccount war somit die logische Folge. Nur: Was schreibe ich da? Was interessiert die Leute? Wie bekomme ich Likes?

Somit war der nächste Stress vorprogrammiert. Die Likes kamen spärlich, und ich näherte mich quälend langsam der 100er-Marke. Nachdem diese überschritten war, ging es noch langsamer, und am meisten frustrierte mich die Tatsache, dass Likes genauso schnell (teilweise noch schneller) wieder verschwanden, als ich sie bekam.

Der Zweifelsberg wurde noch größer. Und er erreichte seinen Gipfel, als ich die Verkaufszahlen für das Jahr 2016 bekam.

Aber davon mehr im nächsten Beitrag.

 

 


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